Deutscher Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen

Interview mit Prof. Erbguth

3 Fragen – 3 Antworten mit Prof. Dr. Frank Erbguth

Highlight: Plenarsitzung PL-01 zum Thema "Interaktion der Pathophysiologie der Dystonien mit der Botulinumtoxintherapie: auf dem Weg zur individualisierten Therapie?"

Gibt es denn für die Dystonien Tiermodelle aus denen man wichtige Erkenntnisse ableiten kann? Und welche sind das? Spielt die künstliche Intelligenz (KI) eine Rolle bei der Analyse der dystonen Bewegungsstörungen?  

Prof. Erbguth: Es gibt Maus- und Rattenmodelle der Dystonie, die im Vortrag vorgestellt werden. An denen kann man erforschen, wie das Zusammenspiel von genetischer Disposition und äußeren Faktoren („Second hit“-Hypothese) zu den unterschiedlichen Phänotypen der Dystonie führt. Mit videobasierten, kinematischen und auf KI-basierten Analysen kann man objektive und detaillierte Befunde der Bewegungsstörungen erheben. Beide Vorgehensweisen sollten dazu beitragen, die Therapiemöglichkeiten der Dystonie zu optimieren und zu individualisieren. 

Liefern und die bildgebenden Verfahren Informationen darüber, ob Botulinumtoxin durch seine Veränderung der Exekution pathologischer dystoner Bewegungen Einfluss auf die zugrundeliegenden „Fehlprogramm“ im Gehirn hat?

Prof. Erbguth: MRT- und PET-Studien konnten dystonie-spezifische Veränderungen von Aktivität, Metabolismus und Konnektivität in den sensomotorischen Netzwerken (primäre/sekundäre Areale, Basalganglien, Thalamus, Kleinhirn) nachweisen. Es zeigen sich dystonie-spezifisch veränderte rezeptive Felder und Veränderungen der Planung, Integration und Exekution motorischer Programme. Botulinumtoxin-Injektionen in den Muskel als Effektororgan eines pathologisch veränderten Regelkreises und der Netzwerke kann hier auch zu zentralen Modulationen und partiellen Normalisierungen führen. 

Wie ist der aktuelle Stand der ultraschall-gestützten Durchführung von Botulinumtoxin-Injektionen?  

Prof. Erbguth: Im Rahmen der jahrzehntelangen praktischen Anwendungen von Botulinumtoxin hat sich unser anatomisches und funktionelles Verständnis der Dystonien und der Spastik fortentwickelt und verbessert. Ziel muss es sein, die Injektionstechniken so zu verbessern, dass eine Identifikation der beteiligter Muskeln möglichst genau erfolgen kann und die aus diesen Befunden resultierende Injektion möglichst nebenwirkungsarm den bestmöglichen Behandlungserfolg für den einzelnen Patienten ermöglichen. Dies ist auch eine Voraussetzung zur Überprüfung klinischer oder KI-basierte Hypothesen. Im Vortrag wird die Rolle des Ultraschalls und des EMGs zur Steuerung der Injektionen und zur Abschätzung und Kontrolle des Therapieerfolgs besprochen.