Deutscher Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen
Interview mit Prof. Höglinger

3 Fragen – 3 Antworten mit Prof. Dr. Günter Höglinger

Highlight: Plenarsitzung PL-02 zum Thema "Entwicklung individualisierter krankheitsmodifizierender Therapien für Parkinson Syndrome"

Warum sollen krankheitsmodifizierender Therapien für Parkinson Syndrome individualisert sein?

Krankheitsmodofizierende Therapien müssen an den Ursachen der Erkrankungen angreifen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass bei ähnlichen klinischen Manifestationen doch sehr unterschiedliche molekulare Krankheitsmechanismen zugrunde liegen können. Daher ist unsere Zielsetzung, die krankheitsmodifizierenden Therapien weniger an den Symptomen, sondern vielmehr an den zugrundeliegenden Ätiologien und Pathomechanismen zu orientieren.

Warum sehen Sie alpha-Synuclein, GBA, LRRK2 und Tau als wichtige Zielstrukturen an?

Das präsynaptische Protein alpha-Synuclein ist für die größte Gruppe der Parkinson Syndrome verantwortlich; neben seltenen Mutationen kann das aggregierte Protein mittlerweile auch biochemisch in Exosomen im Blut oder durch RT-QuiC Untersuchungen im Nervenwasser nachgewiesen werden. GBA-Mutationen sind bei ca. 10% der klinisch idiopathisch anmutenden Parkinson-Syndromen nachweisbar. LRRK2 Mutationen sind seltener, aber als Kinase ist das kodierte Protein auch der therapeutischen Intervention zugänglich. Das Microtubuli-assoziierte Protein Tau ist für eine große Untergruppe der Parkinson Syndrome verantwortlich, die mittlerweile mit klinischen Kriterien und wissenschaftlich mit PET Untersuchungen identifiziert werden können.

Welche therapeutischen Ansätze sind in der Pipeline?

Das methodische Spektrum der Interventionsmöglichkeiten hat sich deutlich ausgeweitet. Neben den klassischen kleinen Molekülen werden mittlerweile auch Antisense-Oligonukleotide, monoklonale Antikörper, aktive Vakzinierungen, und adenovirale Vektorkonstrukte bei Patienten getestet. Das Forschungsgebiet hat eine erfreuliche Dynamik entfacht.